Evang.-reformierte Kirchgemeinde Ins  
 

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Unsere Kirche - Geschichte

Herzlichen Dank allen, die uns durch Erzählen und Literatur geholfen haben. Speziellen Dank gebührt den vielen Notizen und Artikeln von Hans Busenhart (1883-1973) im Kirchgemeindearchiv und dem grossen Werk von Andreas Moser "die Kunstdenkmäler des Kantons Bern Land II, der Amtsbezirk Erlach, der Amtsbezirk Nidau Teil 1" herausgegeben von der Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte GSK Bern, Wiese Verlag Basel 1998 (inkl. der Skizzen "4 Kirchen") sowie dem Artikel von Pfr. R. Jegerlehner im Buch "Kirchen im Seeland".

Die evangelisch-reformierte Kirche Ins bildet das Zentrum der Kirchgemeinde Ins mit den Dörfern: Brüttelen, Gäserz, Ins, Müntschemier, Treiten und Witzwil. Ihre Geschichte ist spannend und alt:

Ins, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Süd und Nord, West und Ost, war bereits früh besiedelt, keltische (800 v. Chr., Fürstengräber), römische (200 v. Chr. Römerstrasse Ins-Aventicum, Münzenfunde) und alemannische (430 n. Chr.) Funde bestätigen dies. Zwischen 600 - 700 dürfte das Seeland christianisiert worden sein, wohl durch Wandermönche der Kolumbangründung Luxeuil (Elsass).In einem Schreiben von 1009 wird erwähnt, dass die Abtei St. Maurice Güter im Dorf hatte. Besonders wird der gute Wein gelobt...

Auf dem St. Jodel, einem wunderschönen Aussichtspunkt mit Blick auf 3 Seen, ca. 10 Min. von der Kirche entfernt, stand in vorreformatorischer Zeit eine dem heiligen Jodocus (St. Theodul, St. Joder) geweihte Kapelle. Dieser Heilige half "bsunderbar" gut gegen höllische Mächte. Zudem ist dieser Heilige (Bischof von Martigny 380) bis heute im Wallis der Schutzpatron der Winzer. (Fiel diese Kapelle der Reformation zum Opfer?)

1240 wird der Inser Pfarrer Kuno zitiert, dass 851 Bischof David von Lausanne in Ins an der Müntschemiergasse (daher ist bis heute dort ein Stein als Blutstein bekannt) ermordet worden sei. Die ungetreuen Untertanen gaben durch diese Tat ihrem Dorf den Namen (Treiten = von "trahison"?)

Erstmals erwähnt wird die Kirche am 22. Juni 1225, als Graf Ulrich von Neuenburg das Lehen des Zehnten von Gals dem Kloster St. Johannsen schenkte. Die Kirche muss aber wesentlich älter sein, wobei ihre Gründung frühestens Ende des 10., spätestens Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgte. Sie war der Gottesmutter Maria geweiht, die heilige Katharina (von Alexandrien, Märtyrerin 306; Nothelferin und Heilige der Wagner und Philosophen. Rad, Buch, Palmzweig) und der heilige Joahnnes wurden in ihr verehrt; sie stand unter der Oberhoheit des Bistums Lausanne. Die kirchenrechtlichen Verhältnisse waren eng mit den Geschicken der Herrschaft Erlach und also der Grafschaft Neuenburg-Nidau verbunden.

1285 hatte der Inser Pfr. 30 Solidi als Kreuzzugszehnten zu entrichten, was ein bedeutender Betrag war.

Die Pfarrer des 13. und 14. Jahrhunderts waren anscheinend oft zweisprachig und gelegentlich auch Vorsteher des Dekanates St. Immer. Zum Teil hatten sie auch den Dienst in den benachbarten Kirchgemeinden Gampelen und Vinelz zu versehen. Leider kümmerten sich einige unter ihnen mehr um die reichen Einkünfte der Pfrund, als um ihre Gemeinde und liessen einen Vikar den Dienst für wenig Lohn versehen. Im 15. Jahrhundert war Ins nur noch eine Filialkirche von Gampelen. Was hatte dazu geführt? War die Vernachlässigung der Gemeinde Grund oder Folge davon? Jedenfalls herrschten damals eigenartige Zustände - so wohnte z.B. 1417 ein Pfarrer mit einer Dirne und mehreren seiner Kinder im Pfarrhaus zusammen.

Laut dem bischöflichen Visitationsbericht von 1453 war die Kirche Ins in "traurigem" Zustand. Die Monstranz schadhaft, das ewige Licht brannte nicht, ein Fenster war ganz ohne Glas, das Weihwasserbecken fehlte, u.ä. mehr...

Ende des 15. Jahrhunderts kam die Kirche Ins unter die Verwaltung des bernischen Vinzenstiftes und wurde bald auch wieder eigenständige Pfarrkirche. (Ob Ins jemals wirklich nur noch Filialkirche war, ist in der Forschung umstritten, da immer ein Pfarrer hier residierte und selbständig Kasualien erlaubt waren...)

Eine interessante Begebenheit ist festzuhalten: 1476 wehrten Frauen von Ins am 22. Juni den Grafen von Romont und sein Heer ab (Murtenschlacht). Wegen dieser Heldentat hatten die Inserinnen von da an das Privileg, Sonntags als erste die Kirche betreten zu dürfen, vor den Männern!

Das Chorgericht hatte den Kirchenbesuch zu überwachen, zu beachten, ob Wirtschaften und Geschäfte während des Gottesdientes auch wirklich geschlossen waren und sich nicht lärmende Kinder nächtelang auf der Strasse aufhielten.
Weiter sorgte es auch dafür, dass Männer sich zu ihren unehelichen Kindern bekannten und diente als Anrufung bei Familienproblemen. Gerade für Frauen, deren Mann das Haushaltungsgeld vertrank, war dies eine wichtige Hilfe.

Während der französischen Herrrschaft Ende des 18. Jahrhunderts wurde wie überall der
Freiheitsbaum errichtet. Wenn überhaupt noch getauft werden wollte, dann hatte die Taufe unter diesem Zeichen der Freiheit zu erfolgen, nicht mehr in der Kirche. Doch Eisser Nachtbuben haben jeweils den Freiheitsbaum umgehauen... und sogar ein französischer Husar hat 1798, nachdem er mitsamt seinem Ross in die Kirche geritten kam und eine Tauffamilie bei der verbotenen Taufe in der Kirche antraf, beim Taufstein rechtsumkehr gemacht und die Taufe geschehen lassen.

       
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